Ein ganz normaler Morgen

04:15 Uhr, Himmel, nein, die Nacht ist schon wieder vorbei?

Ein Blick auf das Handy bestätigt die grausige Wahrheit. Wenn ich heute wieder trödele, dann schaffe ich es wieder nicht früher. Gleitzeit hin oder her. Aber ich muss auch mein Stundensoll  schaffen und umso früher kann ich nach Hause. Grausige Weckzeiten machen dann eher Sinn. Heute schaffe ich es, früher loszugehen. Ich mache mir Mut!
Ein Blick nach rechts und meine Stubentiger sagen guten Morgen, sie blicken mich mit großen Augen an. „Leckerchen?“ scheinen sie zu fragen. Ok, weil ihr es seid. Ich liebe euch!
Und nun quäle ich mich raus, 1 Glas Wasser, etwas Morgengymnastik und dann los in die Küche.
Ich mache den Raubtieren ihr Futter, die dies mit Gemaunze und starker Blickfixierung auf mich, begleiten.

Jetzt meinen Haferbrei mit Apfel, Capuccino und Kräutertee und in Ruhe gefrühstückt. Nein, heute wird sich nicht verzettelt, nur schnell Müll rausbringen, dazu habe ich nachher keine Lust. 
So schaffe ich es also tatsächlich, später doch einigermaßen zufrieden mit meinem Outfit eine halbe Stunde früher als die letzten Tage, auf die Straße.

Ich bin seit Jahrzehnten Berufspendlerin. Nicht, weil ich es wollte, sondern weil mein Arbeitgeber sich immer wieder umstrukturierte und ich immer wieder mitziehen musste, um meinen Arbeitsplatz zu behalten.
So wurden aus ursprünglichen 8 km, jetzt 53 km, einfache Fahrt.

Die ersten Jahre war ich völlig überfordert, mir fehlen jeden Tag zwei Stunden Freizeit. Andere kochen, putzen oder gehen einkaufen. Pflegen soziale Kontakte oder was auch immer. Bei mir findet das alles nur sehr zeitlich begrenzt und reduziert, mangels Zeit, statt.
Aber Jammern hilft bekanntlich nicht, ein Umzug kommt auch nicht in Frage. Also: Augen zu und irgendwie durch.

Was sollen mir die Radwege nutzen, die die Regierung nun plant? Öffentliche Verkehrsmittel sind unrealistisch, weil die Ankunft, und Abfahrzeiten überhaupt nicht kompatibel mit meiner Arbeitszeit sind. Und das zu Preisen, dass sich mir die Nackenhaare aufstellen.
Achja, und jetzt wird mit unrealistischen Forderungen nach EAutos nur der Wirtschaft das Portemonnaie gefüllt. Ich soll also mir dann nach 1 Stunde Fahrzeit eine Steckdose suchen, einen teuren Akku mieten und meinen zuverlässigen Diesel, der mit Partikelfilter die Umwelt kaum mehr belastet, als ein Benziner, verschrotten?
Kopfschütteln.

Diese Gdanken gehen mir, wie so oft. durch den Kopf.

So fahre ich nach 20 min auf die Autobahnauffahrt. Das heißt ich würde es ja, aber den LkwFahrer aus dem Ostblock interessiert das nicht. Er zieht weiter geradeaus, obwohl die Überholspur frei für ihn ist. So dass ich abbremsen muss, um mich hinter ihm auf die Autobahn zu begeben. So ein Affe!! 
Beschleunigungsspur nannte man das mal,wenn man auf die Autobahn muss. Lächerlich, aber das ist keine Ausnahme, sondern fast „normal“ mittlerweile.

Das fängt ja wieder gut an, schießt es mir durch den Kopf.
So fahre ich vorbei an riesigen Solarfeldern, für die die Wälder gerodet wurden,  mit Windrädern im Hintergrund, die die Vögel schreddern. Nicht gewusst? 
Jedesmal denke ich: das ist also alternative Energie? Es wurde Natur geopfert und effizient genutzt wird diese auch nicht. Linke und Grüne lassen sich für dumm verkaufen und denken tatsächlich sie retten mit so etwas die Welt.

Naja

Die Schleicher mit Tempo 80 bis 100 km/h müssen rechts überholt werden von vielen, weil sie den ganzen Verkehr aufhalten.  Mittlerweile spielt es auch keine Rolle mehr ob das erlaubt ist oder nicht. Die Lücken sind so riesig, die die Schleicher haben, es ist das Überholen somit gefahrenfrei möglich.  
Warum fahren sie nicht rechts? Rechtsfahrgebot gilt nicht mehr, zockeln bis es den anderen übel wird. So tummeln sich die Nichtblinker, die Erzieher mit dem schnellen Daumen auf der Hupe oder die Elefantenrennen immer wieder auf der Strecke.

Manche lesen Zeitung, telefonieren, schwatzen mit dem Sitznachbar und vergessen die anderen Verkehrsteilnehmer.

Eins stelle ich allerdings fest: die Drängler sind weg. Wohin? Keine Ahnung
Fast jeder erfindet seine Verkehrsregeln neu, vergisst die anderen Fahrzeuge, erfindet Tempolimits und zwingt sie anderen auf. Es wird kaum geblinkt, sich in Lücken fahrend gequetscht, (Sicherheitsabstand, was soll das sein?) und gefühlt entsteht eine Zweiklassengesellschaft zwischen Brummis und Pkw.
Der Stresspegel steigt. Ruhig atmen, ruhig bleiben, fordere ich mich auf.

So komme ich dann, nach 50 Minuten auf der Arbeit an. 
In 8 Stunden beginnt dann der ganz „normale“ Rückweg. 

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5 Gedanken zu „Ein ganz normaler Morgen

  1. Schlimmer als die Aufstehzeit find ich ja deine Aufstehzeit …
    Ich glaub, ich würd mir einen andern Job suchen. Das tägliche Pendeln ist ein mächtiger Eingriff ins Alltagsleben. Wünsch dir trotzdem weiterhin eine gute und sichere Fahrt!

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    1. Ich fand es die ersten Jahre sehr gruselig. Mittlerweile denke ich nicht mehr darüber nach und feage nicht mehr warum und wieso. Besser wird es damit allerdings auch nicht. Dankeschön, Petra für deine freundlichen Worte. Liebe Grüße

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